Singvögel ganz nah: Was passiert beim Monitoring?

Singvögel sieht man oft nur kurz im Gebüsch oder hört sie aus den Bäumen singen. Beim Singvogelmonitoring können Fachleute sie für einen kurzen Moment ganz aus der Nähe betrachten. Dabei werden die Vögel vorsichtig gefangen, bestimmt, vermessen, beringt und anschließend wieder freigelassen. So entstehen wichtige Daten darüber, welche Arten in einem Gebiet leben und wie sich ihre Bestände entwickeln.

Am LBV Zentrum Mensch und Natur in Nösswartling macht ein Team seit 2017 beim deutschlandweiten Integrierten Monitoring von Singvogelpopulationen mit. Von Anfang Mai bis Ende August werden an mehreren Tagen vor Sonnenaufgang Netze aufgestellt und regelmäßig kontrolliert.


Was ist Singvogelmonitoring?

Monitoring bedeutet: Man schaut über längere Zeit immer wieder genau hin. Beim Singvogelmonitoring geht es darum herauszufinden, welche Singvögel in einem Gebiet vorkommen und wie sich ihre Bestände verändern. Dafür werden die Vögel nach einer festen Methode erfasst. 

 

Die Fachleute bestimmen zum Beispiel die Vogelart, das Alter, das Geschlecht und besondere Merkmale wie Mauser oder Brutfleck. Außerdem werden die Vögel gewogen und vermessen. Danach fliegen sie wieder frei in ihren Lebensraum zurück.

Warum werden Vögel beringt?

Ein kleiner Metallring am Bein hilft dabei, einzelne Vögel wiederzuerkennen. Wenn ein beringter Vogel später noch einmal gefunden oder gefangen wird, können Fachleute mehr über sein Alter, seine Wege und seinen Lebensraum erfahren. Besonders spannend sind Wiederfänge — also Vögel, die schon einmal beringt wurden. Manchmal stammen solche Vögel sogar aus anderen Ländern.

So können viele einzelne Beobachtungen zusammen ein größeres Bild ergeben: Welche Arten kommen vor? Wie erfolgreich brüten sie? Und verändern sich die Bestände mit der Zeit?

Warum ist das wichtig für den Vogelschutz?

Singvögel brauchen passende Lebensräume mit genug Nahrung und guten Brutmöglichkeiten. Wenn solche Lebensräume verschwinden oder sich verändern, merken Fachleute das oft auch an den Daten aus dem Monitoring. [naturschwa...mer.lbv.de]

Die gesammelten Daten werden mit anderen Fangstationen verglichen. So lassen sich Unterschiede zwischen Regionen und Lebensräumen erkennen. Diese Informationen helfen dabei, Natur und Lebensräume besser zu schützen.

Können Kinder und Jugendliche mitmachen?

Ja, im Rahmen besonderer Angebote können auch junge Naturbegeisterte Einblicke in das Singvogelmonitoring bekommen. Die NAJU Bayern bietet solche Freizeiten immer wieder an. 

 

Wichtig: Das Fangen und Beringen von Vögeln ist keine Aktion, die man einfach selbst nachmachen darf. Es wird von geschulten Personen durchgeführt und geschützte Tierarten dürfen nur mit entsprechender Genehmigung erfasst werden.

Bild: Viktor Geitner
Bild: Viktor Geitner

Rückblick Singvogelmonitoring 2022

Bei der NAJU-Ferienfreizeit 2022 verbrachten Kinder und Jugendliche ein Wochenende am LBV Zentrum Mensch und Natur. Nach Spielen, Vogelbeobachtungen und vielen Fragen an das Beringungsteam ging es sehr früh am Morgen los: Um 4:30 Uhr startete der Monitoringtag.

Gemeinsam mit den Beringer*innen wurden die Netze regelmäßig kontrolliert. Die Kinder konnten beobachten, wie Vögel bestimmt, gewogen und beringt wurden. Danach durfte jeweils ein Kind den Vogel wieder freilassen.

Erlebnisbericht: Singvögelmonitoring von Felicitas Randhahn, 9 Jahre alt